Papas letzte Tage.

Am 06.12.2015 begann seine letzte Reise. Nach einem kurzem Telefonat mit Ihm, fuhr ich zu seinem Haus. Ich ging durch die Haustüre und sah, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechterte. Nach einem kurzen Gespräch und Überzeugungsarbeit, machten wir uns auf den Weg in das Krankenhaus. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich im Glauben, dass er nur eine schwere Grippe erwischt hatte. Was ich von meinen Vater bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte, er benötigte einen Rollstuhl um ihn in die Aufnahmestation zu bringen.

 

Nach einem kurzen Gespräch mit dem aufnehmenden Arzt und nach einer Verabschiedung fuhr ich nach Hause.

Eine Stunde später erhielt ich einen Anruf des aufnehmenden Arztes. Er teilte mir mit, dass die Blutwerte bedenkliche Werte aufwiesen. Ich machte mich sofort auf den Weg in das Krankenhaus. Dort war eine weitere Behandlung nicht mehr möglich. Eine Verlegung wurde angestrebt. Die Entscheidung viel auf das Landeskrankenhaus Salzburg. Hier wurde mein Vater schon vor mehreren Jahre einer OP unterzogen und sein Krankheitsverlauf war hier bekannt.

Nach einem Telefonat mit Salzburg, wurde mein Vater durch den Rettungsdienst verlegt. Hier sprach ich die letzten Worte mit meinem Vater. Ich habe ihm gesagt, dass wir ihn brauchen und er bitte wieder gesund werden soll. Ein letzter Blick und ich habe den Rettungswagen verlassen.

In der Zwischenzeit habe ich versucht meine Mutter und meinen Bruder zu erreichen. Ich teilte Ihnen den gesundheitlichen Zustand von Papa mit und fuhr nach Hause.

Nach ca zwei Stunden habe ich in Salzburg angerufen und wollte mich nach dem Zustand von Papa informieren. Der Arzt hatte keine guten Nachrichten für uns. Er hatte eine Infektion unbekannter Herkunft und diese macht seine Situation immer schlechter. Zu diesem Zeitpunkt war er noch ansprechbar. Auf Bitte mit ihm sprechen zu dürfen, ging der Arzt nicht mehr ein. Wenn ich darüber nachdenke, zieht es mich noch immer in einen Abgrund.

Die Nacht von 06.12. auf den 07.12.2015 war die Hölle. Gedanke um Gedanke. Am nächsten Tag habe ich sofort in der Früh im Krankenhaus angerufen und der Arzt hatte keine guten Neuigkeiten für uns. Mein Papa musste noch in der Nacht künstlich Beatmet werden.

Er hat 2003 eine Niere verloren durch einen Krebs. Jetzt hatte auch seine letzte Niere versagt. Die Informationen durch den Arzt haben mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Künstliche Beatmung, Dialyse, Infektion die bis jetzt noch nicht erkannt werden konnte. Ich habe sofort versucht meinen Bruder zu erreichen. In der Nacht haben wir noch mit unserer Mama telefoniert, da sie am nächsten Tag von der Türkei nach Hause kommt. Mein Bruder holte mich sofort ab und wir beide sind so schnell wie möglich in das Landeskrankenhaus nach Salzburg gefahren. Dort konnten wir sofort zu ihm und die Welt wie wir sie kannten, hat nicht mehr existiert.

Schläuche, Medikamente, Magensonde, Dialyse usw usw. Ein Arzt hatte uns zuvor die Situation geschildert und hier uns schon deutlich gemacht, dass unser Papa sehr Krank ist. In der Zwischenzeit hat die Frau von meinem Bruder Mama vom Flughafen abgeholt und wir warteten auf ihr eintreffen im Krankenhaus. Der Schock sass tief.

Meine Mutter kam in die Intensivstation und brach fast zusammen. Wir konnten nicht verstehen was hier vorging. All diese Eindrücke. Ein Mehr an Informationen. Wie soll hier ein klarer Kopf behalten werden.

Am Abend des 07.12. hat sich meine Mama nach dem Zustand informiert. Die Aussage war nur, er sei stabil. Mehr nicht.

08.12.2015 fuhren wir zusammen zu Papa und wieder wurde uns klar gemacht, dass sein Zustand immer noch kritisch sei und sie immer noch nicht wissen, was für eine Infektion hier vorliegt. Ein Port wurde entfernt, den er noch von 2003 durch seinen Krebs erhielt. Zwischenzeitlich sammelte sich Wasser zwischen Lunge und Rippenfell. Eine Drainage musste gelegt werden um diese Flüssigkeit zu entfernen. Die Dialyse lief inzwischen permanent. Er hatte Medikamente, die seinen Kreislauf stabilisierten und diese waren sehr hoch angesetzt. Wir sind bis spät Nachmittag geblieben und mein Bruder hat Mama nach Hause gefahren.

Wieder hat meine Mutter sich nach Papa informiert und wieder die gleiche Aussage, er sei Stabil. Wie die Nacht ausgesehen hatte kann sich jeder vorstellen.

Am 09.12.2015 verlief der Tag schon fast wie nach einem Muster. Wir fahren zu Papa ein Arzt kommt und erzählt wieder von seinem kritischen Zustand. Doch eine gute Nachricht hatten sie endlich für uns. Die Infektion wurde durch Streptokokken ausgelöst. Wie sie in den Körper von Papa gekommen sind und warum sie eine so schnelle Verschlechterung bewirkt haben, konnte uns keiner sagen. Penicillin wurde speziell angewendet um die Krankheit zu bekämpfen. Wir schöpften neu Hoffnung.

10.12.2015. Wieder verging eine Nacht. Wieder hat es am Telefon geheißen, er sei stabil. Wir wollte am Nachmittag zu ihm fahren. Doch an diesem Tag ging alles anders. Ich wollte gerade ein Telefonat führen, um Information zu erhalten, wie die Vorgehensweise mit Patientenverfügungen in Österreich ist. Mein Vater hatte eine Patientenverfügung und diese sollte auch nach seinem Wunsch umgesetzt werden. Doch plötzlich rief das Krankenhaus an und ein Arzt meinte, wir sollten sofort kommen. Mehr Informationen haben sie uns am Telefon nicht gegeben.

Sofort versuchte ich meine Mutter und meinen Bruder zu erreichen. Meine Mutter kam sofort zu mir und mein Bruder ist gleich nach Salzburg gefahren. Wir haben die Intensivstation betreten. Mein Bruder war schon mit seiner Frau da. Meine Mama lief sofort zu Papa. Sein Bett war schon mit einem Vorhang umschlossen. Ein Ruck hat meinen Körper durchzogen. Wir standen alle bei Papa und mussten weinen.

Ein Arzt trat zu uns und forderte uns auf in zu begleiten. Zwei Pfleger gingen mit uns in einen Wartebereich. Dort erklärte uns der Arzt die Situation. Mein Papa hatte eine Überlebenschance von 20 %. Er hat meinen Papa am Sonntag aufgenommen und dort hat mein Papa schon zu ihm gesagt, dass er nicht künstlich am leben erhalten werden möchte. Als wie er es schon wusste. Wir waren tief geschockt und mussten nun die Entscheidung treffen, die Medikamente abzustellen und ihn somit sterben zu lassen.

Die Entscheidung fiel uns nicht leicht. Bei Gott nicht. Aber das war der Wille von Papa und dies gilt zu respektieren. Wir gingen zusammen an sein Bett. Mein Bruder musste den Raum verlassen. Er konnte nicht bleiben und das respektiere ich. Jeder entscheidet seinen Abschied selbst.

Meine Mama und ich sind geblieben. Die Medikamente wurden abgestellt.

Was dann geschah, kann ich nicht mehr mit Worten beschreiben. Ich küsste Ihn. Meine Mama küsste Ihn. Wir sprachen Worte der Liebe. Ich kann bist jetzt nicht darüber sprechen. Der Zeitpunkt ist gekommen. Papa ist gestorben. In diesem Moment herrschte totale Stille. Die Zeit hatte keine Bedeutung mehr. Einfach Aus!!! Sein Gesichtsausdruck war friedlich. Ja schon fast Glücklich nicht mehr leiden zu müssen.

Wir haben den Raum verlassen. Eine Dame vom Kriseninterventiosteam hat uns begleitet. Wir gingen nach unten an die frische Luft. Ich informierte meinen Bruder und meine Frau, das Papa es geschafft habe. Ich sagte geschafft. Einige Zeit verging und wir durften in einen Raum, wo Papa in seinem Bett lag. Ohne Maschinen, ohne Medikamente. Einfach nur er!!! Ich ging mit meiner Mama in den Raum und verspürte Ruhe. Stille. Ich konnte mich verabschieden und lies ihn los. Dieser Moment füllte mein Herz mit wärme. Ich wusste, er ist in unseren Herzen angekommen.

Wir gingen raus und machten uns auf den Weg nach Hause. Dies in Worte zu fassen, gelingt mir bis Heute nicht. Kleinigkeiten im Haus lösen Schmerz aus. Das auf und ab. Gerüche.

Ich bin froh meinen Vater begleiten zu haben. Er wird immer ein Vorbild für mich sein.

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